Der Bibel-Erlebnispark

Die schweizer Firma Genesis-Land AG, die eng mit dem kreationistischen Verein ProGenesis zusammenarbeitet, möchte nahe Heidelberg einen Bibel-Erlebnispark bauen. Damit soll den Besuchern auf eine vergnügliche Art und Weise ermöglicht werden, einen Einblick in die wunderbare Weltsicht des Kreationismus zu bekommen.

Laut Gian Luca Carigiet, dem Vorsitzenden des Vereins, wird es neben den typischen Achterbahnen selbstverständlich auch verschiedene Attraktionen und Themengebiete geben, die in einer biblischen Atmosphäre die richtigen Wertvorstellungen vermitteln sollen. Einiges sei bereits ausführlich geplant und in Arbeit:

So wird man im „Garten Eden“ nicht nur einen Streichelzoo, sondern auch einen Nudistenstrand sowie natürlich den verbotenen Baum vorfinden. Dieser soll ein genetisch veränderter Apfelbaum sein, dessen Früchte nach dem Verzehr wie eine Überdosis LSD wirken. Damit soll den Besuchern die Auswirkungen des Sündenfalls nähergebracht werden.

Für viel Adrenalin wird das Themengebiet „Sodom und Gomorrha“ sorgen, wo man Laiendarsteller bei ausschweifenden sexuellen Praktiken beobachten kann, nur um daraufhin in einer spektakulären Show mitzuerleben, wie ein künstlich erzeugtes Erdbeben und ein filmreifer Feuerregen die Sünder ins Verderben schickt. Carigiet betonte an dieser Stelle, er sei froh, dass sich besonders für diese Attraktion bereits unzählige Statisten beworben hätten. Er sei sehr glücklich, dass die Deutschen anscheinend viel Wert darauf legen, ihren Mitmenschen die schlechten Auswüchse der Sünde und deren sträfliche Folgen zu präsentieren.

Des weiteren versprach Carigiet, dass wohl auch Hartgesottene auf ihre Kosten kommen werden, denn es sei auf jeden Fall auch eine Passionsgeschichte zum Mitmachen geplant. Darüber, ob man in jede beliebige Rolle schlüpfen kann, schwieg sich Carigiet leider aus.

Das absolute Highlight des Parks soll jedoch eine Nachbildung der Arche Noah in Originalgröße werden, in welcher dann, historisch genau, alle Tierarten unserer bekannten Welt vorzufinden seien, inklusive Pokémons und Hippies.

Weitere Nachbildungen, wie jene des Turms zu Babel oder der Mauern von Jericho sowie regelmäßige Shows, Bühnenspiele und typische Parkmaskottchen wie Moses, Jesus oder König Salomon runden das ganze Erlebnis schließlich ab.

Übrigens: Unser Verusch, weitere Details aus Carigiet herauszukitzeln, scheiterte kläglich an der Humorlosigkeit des überzeugten Kreationisten. Das kurze Protokoll unserer Befragung spricht für sich selbst:

Herr Carigiet, Sie als Vorsitzender des ProGenesis-Vereins haben doch sicher eine vernünftige Antwort auf die größte Streitfrage der Menschheit: Peter Gabriel oder Phil Collins?

Also sowas…! Sie Schmock, Sie…! Auf wiedersehen!

Wir sehen uns im Bibel-Park.

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