Das Land der schlechten Verlierer

Ich dachte das Thema wäre erledigt, stattdessen hab ich den Eindruck, dass die Medien  es regelrecht genießen immer und immer wieder den Finger in die Wunde zu stecken. Und dem durchschnittlichen Konsumenten gefällt’s.

Die Rede ist von der Berichterstattung über den Eurovision Song Contest, insbesondere natürlich über das grausame Abschneiden der No Angels.

Niemand mag uns! Alle sind so gemein! Die schieben sich immer nur gegenseitig die Punkte zu! Wir wollen da nie wieder mitmachen! Es ist so unfair! Uääää… Will meinen Schnuller haben! Uääää!

Ihr peinlichen Jammerlappen, reisst euch gefälligst zusammen! Das ist ja kaum noch auszuhalten!

Nein, die No Angels waren nicht gut, sie haben den letzten Platz mehr als verdient. Alles andere wäre ein Skandal gewesen.

Nein, die ehemaligen Ostblock-Staaten schieben sich nicht immer die Punkte zu, sodass die westlichen Länder schlecht abschneiden. Es stimmt durchaus, dass Punkte an Nachbarländer abgetreten werden, aber das ist nahezu ein ungeschriebenes Gesetz, solange das Lied gut bzw. nicht allzu schlecht ist.

Tatsache ist: Ein gutes Lied bekommt aus allen Ländern viele Punkte. Die Platzierungen in diesem Jahr sprechen zudem für sich: Von den 12 sog. Ost-Ländern landeten 5 in der unteren Ranglistenhälfte. Von wegen Ostblock-Mafia und sonstige polemische Aussagen in diese Richtung.

Besteht ganz Deutschland etwa nur noch aus Bild-Lesern? Oder melden sich nur immer diese lautstark zu Wort? Aber warum steigen dann die restlichem Medien darauf ein und schlagen in diese Kerbe der schlechten Verlierer rein?

Ist Deutschland u.U. an und für sich ein Land voller schlechter Verlierer? Bedienen die Medien demzufolge nur den typischen Deutschen? Man könnte es tatsächlich annehmen, wenn nach irgendeiner Veranstaltung, die nicht zufriedenstellend verlief, mal wieder die Heulsuse ausgepackt wird – wie z.B. aktuell im Rahmen des ESC. Dann hagelt es schwachsinnige Erklärungsversuche und Verschwörungstherorien, warum die Deutschen erneut den kürzeren gezogen haben. Und wenn alles nicht hilft, dann kürt man sich mal eben selbst zum Meister der Herzen, damit man wenigstens eine Sache hat, mit der man sich rühmen kann.

Und um nochmal zum Eurovision Song Contest zurückzukommen: Warum beschwert man sich, dass die deutschen Künstler ja angeblich so unbeliebt in (Ost-)Europa sind, und daher keine Punkte bekommen, während gleichzeitig osteuropäische Künstler hierzulande regelrecht boykottiert werden:

Im Westen allerdings will man von osteuropäischer Musik nichts wissen. Selbst die Siegerin des letzten Eurovision Song Contests, Marija Šerifovi, konnte ihren Titel „Molitva“ nur mit Mühe veröffentlichen. In Deutschland weigerten sich sämtliche Major Companies, den serbischen Titel in ihr Programm aufzunehmen. […] Auch Magdi Rúsza, die mit ihrem „Unsubstantial Blues“ vor allem in den Traditionsländern des Wettbewerbs gepunktet hatte, blieb außerhalb Ungarns unbeachtet. Alle Versuche, die stimmgewaltige Sängerin in Westeuropa unterzubringen, scheiterten bereits im Ansatz. […] Vor allem in Deutschland scheint man für Ostmusik wenig empfänglich. Selbst der Nummer-Eins-Hit „Dragostea din tei“ der moldawischen Boygroup O-Zone musste erst die Charts in halb Europa erobern, bevor er endlich auch bei uns veröffentlicht wurde. Nun muss „Ma-ia-hii, ma-ia-hoo“ nicht jedem als Bereicherung deutscher Populärkultur gefallen. Doch im Musikbusiness geht es in erster Linie um Umsatz. Und wo Schnappis und Schnuffels die Charts anführen, sollte man besser nicht mit Kulturkritik argumentieren.

(Quelle: spiegel.de)

Denkt mal darüber nach, ihr Jammerlappen! Alternativ druckt euch das Bild oben aus und klebt es euch auf die Stirn. Spart euren Gesprächspartnern u.U. viele Nerven.