Vorsicht vor dem Handysolarium

Das Handysolarium: Was eigentlich nur eine spaßige App fürs Handy sein soll, hat sich bei vielen Jugendlichen als Bedrohung herausgestellt. Man könnte auch sagen, die Entwickler haben einen Dämon herbeibeschworen.

Denn von unbändigem Glauben getrieben, ihr Handy könne tatsächlich sonnenähnlich strahlen, klagten bereits mehrere Jugendliche nach Nutzung der Software über leichten bis starken Sonnenbrand. „Ich hab mir das Handysolarium runtergeladen und gleich ausprobiert. Das hat so geknallt, dass mir nach ’ner Zeit die Augen weh taten und so“, sagte Kevin T. in einem Interview.

Dass sein Handy gar nicht wie ein Solarium funktionieren kann, will Kevin, wie soviele andere Jugendliche auch, nicht wahrhaben. Für ihn zählt nur der Glaube an die Kraft seiner kleinen elektronischen Sonne, wie er die App nennt.

Und bekanntlich versetzt der Glaube Berge. So scheint es also, dass mancher Handybesitzer sich so von der Solarium-App hat faszinieren lassen, dass nun ganz im Stil eines klassischen Placeboeffekts sichtbare Folgen auftreten. Man könnte die Auswirkungen der App sogar mit den Stigmata tiefreligiöser Menschen vergleichen.

Das Handy als Gottessymbol des dritten Jahrtausends? Ein irritierender Gedanke, wobei der kleine Apparat inzwischen angebetet und behütet wird wie eine goldene Götzenstatue.

Und dabei ist die Solarium-App erst der Anfang: Angekündigt wurden bereits die Röntgengerät- sowie die Kernreaktor-App, die mit echten Gammastrahlen zu punkten versuchen. Die Auswirkungen dürften hierbei besonders interessant ausfallen. Sonnenbrand ist schließlich eine Sache, aber wenn aufgrund tiefen Glaubens sich Handybesitzer in nuklearverseuchte Mutanten verwandeln, sollte man sich Gedanken machen.

Dann doch lieber die  NSA-App. Auch wenn die jeder hat.

NSA

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