Buchtipp: Guillermo del Toro & Chuck Hogan – Die Saat

HORROR

Bei einem Titel wie „Die Saat“ läge die Vermutung nahe, man hätte es mit einem neuen Ratgeber zur Landwirtschaft zu tun. In Wahrheit kommen hier aber keine glücklichen Landwirte, sondern andere, weitaus gruseligere Geschöpfe vor: Vampire.

Da die meisten Leserinnen und Leser bei diesem polarisierenden Stichwort nun entweder vergnüglich in die Hände klatschen oder genervt mit den Augen rollen, sollte eine Sache von Anfang an klargestellt werden: „Die Saat“ hat absolut nichts mit „Twilight“ und ähnlichen Vampir-Schmonzetten der letzten Jahre zu tun. Die Wesen in diesem Buch haben also garantiert keine romantischen Absichten. Sie sind grausame, unmenschliche Bestien, hässlich und brutal, die Angst und Schrecken verbreiten. Mit anderen Worten: Nach etlichen Büchern über erotische Vampire, die es immer mit Werwölfen, Dämonen und natürlich klebrigen Beziehungsproblemen zu tun bekommen, gibt es mit „Die Saat“ endlich wieder einen Vampirroman, der sich seinen Platz im Horrorgenre redlich verdient hat.

Worum geht es nun? Unmittelbar nach der Landung eines Flugzeugs auf dem New Yorker JFK-Flughafen, bricht zu der Maschine der Kontakt ab. Niemand im Flugzeug reagiert mehr auf Signale oder Nachrichten, kein einziges Lebenszeichen dringt mehr nach draußen. Was ist da passiert? Sind wirklich alle tot? Hat vielleicht eine Krankheit gewütet? Oder handelt es sich sogar um einen Terroranschlag? Schließlich wird die Seuchenschutzbehörde auf den Plan gerufen, die in der Maschine ein unvorstellbares Grauen vorfindet. Und bald darauf bricht auch schon die Hölle über New York los. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Grundidee ist sicherlich nicht neu, doch greift sie einen sehr zeitgemäßen Blickwinkel auf und vermischt klassischen Horror mit dystopischen Angstvorstellungen. Das Vampirthema wird also nicht neu erfunden, sondern an ein modernes Horrorzeitalter angepasst. So ist es sicherlich auch kein Zufall, dass Professor Abraham Setrakian, der im Buch ein entscheidender Charakter im Kampf gegen die Blutsauger wird, den gleichen Vornamen trägt wie der berühmte Vampirjäger Abraham van Helsing. Übrigens nicht das einzige Genrezitat.

Thriller-Autor Chuck Hogan und Guillermo del Toro, Regisseur von fantastischen Filmen wie „Hellboy“ und „Pan’s Labyrinth“, präsentieren dem Horrorfan einen richtig unheimlichen Endzeit-Horror-Schocker, der es in sich hat. Sehr dynamisch, düster, bildgewaltig, unerträglich spannend. Ganz großes Kopfkino! In Anbetracht der Tatsache, dass es mitunter sehr gewalttätig zugeht, sollten Zartbesaitete aber lieber einen Bogen um „Die Saat“ machen. Wer dagegen bluttriefendem Horror nicht abgeneigt ist und gerne ein paar schlaflose Nächte verbringen möchte, sollte hier unbedingt mal reinlesen.

Hinzuzufügen wäre noch zum Schluss, dass „Die Saat“ den ersten Teil einer Trilogie darstellt. Die Folgebände tragen die Titel „Das Blut“ und „Die Nacht“

Taschenbuch, 528 Seiten
Euro 9,99